Virtuelle Events haben unsere Bühnen verändert. Statt Bewegungsfreiheit auf großen Podien sind wir oft auf den sogenannten „Talking Head“-Ausschnitt beschränkt: Brust aufwärts, fixiert vor der Linse. Doch begrenzter Raum bedeutet nicht begrenzte Energie.
Viele Speaker machen den Fehler, „Sitzen“ mit „Entspannen“ zu verwechseln. Das Ergebnis: Die Körperspannung sinkt, die Stimme wird flacher und die Botschaft verliert an Dringlichkeit. Dabei lässt sich auch im Sitzen eine enorme Präsenz aufbauen - wenn man weiß, wie man den sichtbaren Bildausschnitt strategisch nutzt.
Hier erfährst du, wie du den „Talking Head“-Rahmen sprengst, ohne ihn zu verlassen.
1. Die Basis: Aktives Sitzen ist der Motor
Energie beginnt nicht im Gesicht, sondern an den Füßen - auch im Sitzen. Wer sich tief in die Lehne sinken lässt, signalisiert dem Körper unterbewusst: „Pause“.
Um das zu vermeiden, nutze die „Kante“: Rutsch auf dem Stuhl etwas nach vorne und nutze nicht die volle Rückenlehne. Das zwingt deinen Oberkörper automatisch in eine aufrechte Haltung und öffnet das Zwerchfell. Du atmest freier und deine Stimme klingt sofort voller und kompetenter.
Zusätzlich sorgt das Grounding für Stabilität: Stell beide Füße fest auf den Boden. Keine überkreuzten Beine! Der Bodenkontakt verhindert, dass du nervös auf dem Drehstuhl hin und her wippst. Eine minimale Vorneigung zur Kamera hin wirkt auf den Bildschirmen der Teilnehmenden zudem als intensives Interesse und Zuwendung.
2. Der magische Blickkontakt: So baust du Vertrauen auf
Im Webcast ist die Kamera kein technisches Gerät, sondern das Auge deines Publikums. Blickkontakt ist das stärkste Mittel, um Vertrauen über Distanz aufzubauen.
Trainier dir an, konsequent in die Linse zu sprechen, nicht auf deinen eigenen Monitor, die Folienvorschau oder deine Notizen auf dem Tisch. Ansonsten wirkst du für die Zuschauenden schnell so, als würdest du an ihnen vorbeischauen.
Ein häufiges Problem ist die „Notiz-Falle“: Wenn du Notizen brauchst, klebe sie auf Monitorhöhe neben die Kamera, statt sie flach auf den Tisch zu legen. Jeder Blick nach unten unterbricht die Verbindung zum Publikum.
💡 MEETYOO-Tipp: Klebe dir ein kleines Post-it mit einem Smiley oder einem Pfeil direkt neben die Linse. Das erinnert dich daran: Hier sitzen Menschen, keine Maschinen. Lächle die Linse an, als wäre es ein guter Freund.
3. Mimik: Dein Gesicht ist die Bühne
Da der Bildausschnitt eng ist, wirkt die Kamera wie eine Lupe. Jedes Zucken, jedes Augenbrauenheben und jedes Lächeln wird verstärkt wahrgenommen. Dein Gesicht muss die Energie transportieren, die sonst dein ganzer Körper sendet.
Achte besonders auf diese vier Aspekte:
- Das „hörbare Lächeln“: Das ist einer der wichtigsten Hacks überhaupt. Ein Lächeln verändert die physische Form deines Mundraums. Das Ergebnis: Deine Stimme klingt sofort heller, wärmer und offener. Selbst wenn du gerade nicht im Bild bist (z. B. bei einer reinen Folienansicht), solltest du lächeln, um diese auditiven Sympathiepunkte zu sammeln. Man hört den Unterschied sofort!
- Achtung vor dem „Resting Face“: Wenn wir uns stark auf Inhalte konzentrieren, entspannen sich unsere Gesichtsmuskeln oft komplett. Das Ergebnis wirkt auf Video oft gelangweilt, streng oder müde. Versuch bewusst, eine positive Grundspannung im Gesicht zu halten.
- Augenbrauen als Textmarker: Nutze deine Augenbrauen, um gesprochene Worte zu betonen. Ein kurzes Anheben signalisiert: „Das ist wichtig!“. Es bringt Dynamik in dein Gesicht und verhindert Monotonie.
- Kongruenz ist wichtig: Passt dein Gesichtsausdruck zu deiner Botschaft? Wenn du über spannende Neuerungen sprichst, muss man das in deinen Augen sehen.
4. Gestik im sichtbaren Bereich (Die „Box“)
Viele Speaker gestikulieren ganz natürlich - aber leider oft unterhalb des sichtbaren Bereichs. Das Publikum sieht dann nur zuckende Schultern, aber keine Hände. Du musst deine Gestik bewusst anheben - in den Bereich zwischen Brustbein und Schulterhöhe. Das fühlt sich anfangs ungewohnt an, sieht im Video aber dynamisch und engagiert aus.
Hier ein Vergleich, wie du deine Gestik anpassen solltest:
| Situation | Offline (Meetingraum oder Bühne) | Online (MEETYOO Show Webcast) |
|---|---|---|
| Höhe der Hände | Bauchnabelhöhe oder tiefer | Brust- bis Schulterhöhe (in der "Box") |
| Bewegung | Großräumig und weit | Kompakter, langsamer und definierter |
| Ruheposition | Arme locker seitlich am Körper | Locker auf dem Tisch (sichtbar entspannte Schultern) |
💡 MEETYOO-Tipp: Wenn du dich bei deinem Event für Overlays (z. B. Namenseinblendungen/Bauchbinden im unteren Bilddrittel) entscheidest, verkleinert sich deine „sichtbare Box“. Beachte, dass deine Hände hinter dem Overlay verschwinden können. Du könntest deine Assistenz bitten, dass der Overlay nur kurz eingeblendet wird und nach einigen Minuten wieder ausgeblendet wird, sodass du die komplette "Box" zur Verfügung hast.
5. Technik und Umgebung
Auch wenn du keine Studio-Ausrüstung hast: Kleine Anpassungen machen einen riesigen Unterschied.
Egal ob du ein Headset oder das Laptop-Mikrofon nutzt - Mikros verzeihen nichts. Vermeide das Klicken mit Kugelschreibern, das Rascheln mit Papiernotizen oder das Trommeln auf dem Tisch. Diese Geräusche werden oft lauter übertragen als deine Stimme. Sorge außerdem dafür, dass dein Gesicht gut ausgeleuchtet ist. Wenn dein Gesicht im Schatten liegt, geht deine ganze Mimik und demit auch ein Teil deiner Wirkung verloren.
Fazit
Eine erfolgreiche Session hängt nicht nur von den Slides ab, sondern davon, wie sehr du die digitale Barriere durchbrichst. Deine Zuschauer:innen können dich nicht spüren wie in einem echten Raum. Du musst diese Energie kompensieren: Durch bewussten Blickkontakt in die Linse, eine lebendige Mimik und eine aktive Sitzhaltung. Wenn du diese Tipps beherzigst, wirst du vom passiven „Talking Head“ zum inspirierenden Speaker.
